Tagung 2021

video-conference-6077159_1920-1„Kritische Perspektiven auf Bildungssprache – Potenziale und Impulse für die DaZ-Didaktik“

Tagungstermin: 23./24. September 2021
Tagungsort: online

Seit einigen Jahren ist das Thema ‚Bildungssprache‘ Diskussions- und Forschungsgegenstand der Bildungswissenschaften und der Fachdidaktiken. Studien zeigten vielfach, dass soziale Herkunft, der schulische Erwerb bildungssprachlicher Kompetenzen und Fachleistungen in einem engen Zusammenhang stehen (vgl. u. a. Kempert et al. 2016; de Moll 2018). Um daraus resultierenden Bildungsnachteilen zu begegnen, wurden in der letzten Dekade Untersuchungen und die Entwicklung von Konzepten zu Sprachförderung und zu sprachbewusstem Fachunterricht vorangetrieben. Zielgruppe dieser Bestrebungen sind insbesondere mehrsprachig sozialisierte Schülerinnen und Schüler, wobei in den letzten Jahren vermehrt auch einsprachig mit Deutsch aufwachsende Lernende, die in ihrem familiären Umfeld nur geringen Kontakt zum bildungssprachlichen Register haben, adressiert werden. Studien bzw. Förderkonzepte, die die Entwicklung der bildungssprachlichen Kompetenzen von mehrsprachig aufwachsenden Schülerinnen und Schülern bezogen auf ihr gesamtes sprachliches Repertoire in den Vordergrund stellen, sind immer noch rar (vgl. u. a. Roll et al. 2019).

Parallel zur Entwicklung und Dissemination von Konzepten des bildungssprachförderlichen Unterrichts setzte man sich bislang mit dem Konstrukt ‚Bildungssprache‘ im wissenschaftlichen Diskurs auch konzeptionell auseinander. In der Deutschdidaktik standen bisher vornehmlich Begriffsklärungen und -ausdifferenzierung (vgl. u. a. Feilke 2012, Efing 2014), linguistische Merkmale der Varietät (vgl. u. a. Ahrenholz 2017; Morek/Heller 2012), die Anforderung von Bildungssprache im Kontext literaler Prozesse sowie deren Diagnose und Förderung im Fokus (vgl. u. a. Ahrenholz/Hövelbrinks/Schmellenthin 2017, Haberzettl 2015). Eine kritische Auseinandersetzung mit Sprache in der Schule allgemein sowie speziell im DaZ- und Deutschunterricht, z. B. hinsichtlich sprachlicher Normativität und in puncto situativer Funktionalität und Angemessenheit bildungssprachlicher Anforderungen, findet innerhalb der Deutschdidaktik jedoch erst in geringem Maße statt (vgl. Bock 2020). Zugleich werden bildungssprachliche Anforderungen aus der Sicht der DaZ- und Deutschdidaktik auf andere Fächer übertragen, ohne die Tradition und die Spezifik der anderen Fachbereiche umfassend zu berücksichtigen (vgl. u. a. Heinen/Heinicke 2021), und auch aus der Perspektive der Migrationspädagogik kritisch diskutiert (vgl. u. a. Öttl/Neulinger/Döll 2021).

Für eine kritische Auseinandersetzung mit dem Konstrukt ‚Bildungssprache‘ liefern Bildungswissenschaft, Soziolinguistik, Soziologie oder Fremdsprachendidaktik wichtige Impulse. Im Zentrum der Fachtagung steht deshalb eine interdisziplinär ausgerichtete Weiterführung der DaZ- und deutschdidaktischen Diskussion um Norm, Normativität und Funktionalität von Bildungssprache im Kontext DaZ- und deutschdidaktischer Zielsetzungen und insbesondere mit dem Blick auf Deutsch als Zweitsprache.
Die Tagung ist für die gesamte Breite des Themenfeldes offen. Theoretische wie empirische Vorträge sind gleichermaßen willkommen. Erwünscht sind insbesondere Beiträge zu folgenden Aspekten:

  • Normativität von ‚Bildungssprache‘ im Diskurs
  • Eingrenzung bzw. Ausdifferenzierung des Begriffs: zwischen Bildungssprache, Fachsprache und Berufssprache
  • Rekontextualisierung von ‚Bildungssprache‘ und ‚Sprachbildung‘ in bildungspolitischen und -administrativen Diskursen
  • bildungssprachliche Kompetenzen im Deutschen und in anderen Sprachen der Lernenden im Vergleich
  • (Dys-)Funktionalität von ‚Bildungssprache‘ im Unterricht und mögliche Zugänge
  • Bildungssprache im Mündlichen und im Schriftlichen

Bitte senden Sie uns Ihr Abstract im Umfang von rund 300 Wörtern bis zum 20. Juni 2021 über https://findmind.ch/c/JCsf-W4hG.

Die Tagung findet am 23./24. September 2021 via Zoom statt. Die Vorträge dazu werden im Sinne besseren Vereinbarkeit mit Betreuungspflichten bereits vorab angeboten: Sie werden zeit- und ortsunabhängig ab dem 15. September in einem geschützten Bereich auf der Webseite der DaZ-AG zum Ansehen zur Verfügung gestellt, d.h. angenommene Beiträge sind bis 10. September aufzuzeichnen und an uns zu übermitteln. Zugang zu den Vorträgen werden ausschließlich angemeldete Tagungsteilnehmer*innen haben. Das Treffen auf Zoom wird zur intensiven Diskussion der Beiträge genutzt.

Wir freuen uns auf Ihre Beiträge und die Diskussionen mit Ihnen!

Marion Döll (PH Oberösterreich, Linz)
Beate Lütke (Humboldt-Universität zu Berlin)
Magdalena Michalak (Universität Erlangen-Nürnberg)
Kirstin Ulrich (Universität Erlangen-Nürnberg)

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